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Medizinische Behandlung

Im ersten Krankenhaus wurden Patienten wie Aya mit einer Krankheit des Kleinhirns, welches die motorischen Funktionen des Körpers kontrolliert, in der Neurologieabteilung behandelt.
In einem frühen Stadium der Krankheit fühlten wir einen Anflug von Sicherheit, weil die Abteilung Teil des Nagoya Universitätskrankenhauses war. Wir bestritten gelassen einen langen Weg ohne es jemals als Mühseligkeit zu betrachten. Aber als Ayas Krankheit voranschritt, konnte sie nicht mehr alleine gehen. Aus verschiedenen Gründen lehnte es das Krankenhaus ab, sie stationär aufzunehmen.
Je ernster die Krankheit eines Patienten wird, desto besser ist es für ihn im Krankenhaus zu bleiben und umfassende medizinische Behandlung zu erfahren. Aber das gegenwärtige Gesundheitssystem erlaubt das nicht. Krankenhäuser wie dieses haben einen Grundsatz der bereitgestellten 24 Stunden-Pflege, so dass es privaten Pflegekräften nicht erlaubt ist zu bleiben. Aber wie weit ist krankenpflegerische Pflege vom Krankenhaus gewährleistet? Wer ist verantwortlich für den Teil außerhalb der medizinischen Pflege? Es gibt keinen anderen Weg für die Familien als jeden Tag zu pendeln um dies zu kompensieren. Wenn man dies nicht kann, kann der Patient nicht im Krankenhaus bleiben und muss in ein privates Krankenhaus verlegt werden. Jedoch gibt es nicht viele möglichen Orte für solch spezielle Krankenheiten wie jene von Aya.
Dank der Anleitung von Dr. Yamamoto war Aya zwei Jahre lang im Akita Krankenhaus in Chiryu-shi behandelt worden. Dieses war weit von unserem Heim gelegen, also war ihr Kontakt zur Familie stark reduziert. Sie einmal in der Woche besuchend war das Beste, was wir für sie tun konnten und wir mussten uns auf eine Pflegekraft verlassen, welche an den anderen Tagen nach ihr sah.
Es schien kein Ende in Sicht bezüglich ihrer Zeit im Krankenhaus. Wir wollten sie näher zu uns bringen, also begannen wir nach einem passenden Krankenhaus in Toyohashi zu suchen. Zuerst telefonierten wir mit verschiedenen Krankenhäusern. Als wir eines gefunden hatten, das sie vielleicht akzeptieren würde, besuchten wir es und erklärten die Details ihres Falls. Wir wanderten von Krankenhaus zu Krankenhaus. Dann verbrachte sie ein Jahr im N-Krankenhaus in Toyohashi.
Ich wusste, dass es nicht gab, worüber man sich Sorgen machen müsste, solange die Leute Ayas Zustand gut genug verstanden. Aber um ehrlich zu sein, sorgte ich mich als ihre Mutter jedes Mal, wenn sie in ein neues Krankenhaus ging. Wäre alles in Ordnung? Wenn ihr vielleicht Schleim im Rachen stecken bliebe und ihr Körper steif würde, würde sie leiden und sterben. Ich fragte mich, ob sie eine angemessene Notfallhilfe bereitstellen konnten, sollte dies geschehen. Glücklicherweise war die Frau, die sich Aya angenommen hatte, von Dr. Yamamoto unterrichtet worden. Ich fühlte mich erleichtert als ich hörte, dass sich die beiden Ärzte manchmal im Universitätskrankenhaus trafen.
Im Juni diesen Jahres ging Aya zum dritten Mal ins Koseikai Krankenhaus in Toyohashi. Heute ist sie immer noch dort. Zu Beginn konnte sie auf Grund der Steifheit ihres Körpers kaum essen. Vielleicht war dies ein Ergebnis der Spannung und Erschöpfung, weil wir von Krankenhaus zu Krankenhaus wandern mussten.
„Nächstes Mal wirst du nicht mehr richtig atmen können“, sagte ein Arzt der Chirurgieabteilung zu ihr, „Wir werden dir einen Luftröhrenschnitt legen.“ Er war so freundlich und erklärte es, in dem er es Aya ebenso ins Notizbuch schrieb. Er schrieb: „Dir wird es gut gehen. Sorge dich nicht. Wenn es dir besser geht, werden wir den Schnitt augenblicklich wieder schließen.“ Mir wurde dies von der effizienten Kooperation der Abteilung für Innere Medizin und Chirurgie und der Rehabilitationsärzte versichert.
Ich kann Aya nur am Abend der Werktage oder an Sonntagen besuchen, so dass ich mich nicht mit ihren Ärzten treffen kann. Aber eine Krankenschwester informiert mich tagsüber, wenn die Ärzte bei ihrer Arbeit sind. Ich kann die Ärzte kontaktieren, um Sorgen, die wir haben, zu bereden oder Ayas Fragen, die sie in ihr Notizbuch geschrieben hat, zu stellen. Der Arzt bemüht sich, jede Frage zu beantworten. Ich vertraue ihm, ich danke ihm und ich respektiere ihn.
Er unterstützt Aya mit einem friedlichen Geist und Aya lächelt. Aya liebt es ein Bad zu nehmen. Die Neuigkeit erhaltend, dass sie bald die Möglichkeit dazu bekäme, ließ sie für etwas nach vorne sehen.



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Ayas Brüder und Schwestern

Ayas Brüder und ihre Schwester Ako waren Junior Highschool Schüler als entschieden wurde, dass Aya zu einer Schule für Körperbehinderte wechseln würde.
„Es gibt keine Hoffnung, dass Aya sich von ihrer Krankheit erholt“, erzählte ich ihnen, „Es wird nur schlimmer werden. In ein paar Jahren, denke ich, wird sich ihr Zustand so entwickelt haben, dass wir sie nicht mehr aus den Augen lassen können. Aber ich werde am meisten nach ihr sehen, also hoffe ich, dass ihr eure eigene Zukunft ordentlich plant und auf eure eigene Gesundheit aufpasst.“
Sie hörten mir still und ernst zu.

Ako, die nur ein Jahr jünger als Aya war, war auf ihr Haar stolz, welches über ihre Schultern reichte. Aber plötzlich hatte sie es ein paar Tage später kürzer schneiden lassen.
„Warum hast du das getan?“, fragte ich sie.
„Nun“, antwortete sie, „Ich wollte nur mein Image ändern.“
Beobachtend, dass sich nun mehr ihr Verhalten nach und nach veränderte, fühlte ich, dass sie ihre eigene Art zu leben entschieden oder etwas für sich zu tun beschlossen hatte.
Als sie ihr Zimmer mit Aya teilte, stritten sie sich oft. Es schien eine Art Rivalität zwischen ihnen um alles vorzuherrschen. Das machte mir Sorgen. Ich konnte nicht verstehen, warum sie nicht besser miteinander auskamen. Aber jetzt, wo Aya nach ihrem Leben im Rollstuhl bettlägrig geworden ist, verhält sich Ako wie ihre ältere Schwester. Sie wurde ihr Hauptanleiter und gab ihr ein großes Maß an mentale Unterstützung.
Ungleich Aya war es ihr möglich an der Higashi Highschool zu graduieren. Jetzt studiert sie an der Aichi Prefectural University der Pflege und Gesundheit. Sie hofft in Zukunft an Ayas Seite zu arbeiten.
Der ältere von Ayas beiden Brüdern ist als ein Mann aufgewachsen, der keine direkt verbindende Rolle zu Aya trägt. Aber er ruft von Zeit zu Zeit an und sagt „Bist du in Ordnung, Okaa-san? Überanstreng dich nicht!“
Ich sage „Warum kommst du nicht vorbei und siehst nach deiner Schwester? Das würde sie glücklich machen!“
Aber er antwortet nur „Nun, das werde ich irgendwann... Bitte sage ihr, dass es mir gut geht und dass sie die Ohren steifhalten soll.“
Es mag auch teilweise daran liegen, dass er ebenso eine starke Flut an Emotion fühlte, als er Aya beim letzten Besuch weinen sah.
Er arbeitet jetzt als Polizist in der Mie Präfektur seit gut zwei Jahren. Er drückt seine Sympathie für seine Schwester leise aus, in dem er sein Postspardienstbuch zurücklässt – in welches er Stück für Stück Geld gespart hat – sagend „Bitte verwende dies für Aya.“
Wie werden Ayas Brüder und Schwestern mit ihrer kränkelnden Schwester klarkommen, wenn sie erwachsen geworden sind? Zurückblickend verstehe ich, dass ich eher, als dass ich nicht genug für Aya tun könnte, unsere anderen Kinder vernachlässigt hätte. Ich höre manchmal von Familien, in welchen Leute ihre Brüder und Schwestern ignorieren. Diese Sache sorgte mich, als ich älter wurde.
Ich habe niemals gesagt, dass sie bei Ayas Pflege in Zukunft helfen sollen. Aber es scheint, als passten sie besser auf sich auf, nachdem ich voranging. Das macht mich sehr glücklich.



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Als wir für eine Konsultation ins Nagoya Universitätskrankenhaus fuhren, nannte uns der Arzt die Bezeichnung von Ayas Krankheit. Er erklärte uns, wie ihre physischen Fähigkeiten nach und nach abnehmen würden, umso mehr ihre Krankheit voranschritt und dass es keine Heilung gäbe.
Wie jedes Elternteil betete ich, dass zumindest mein Kind eine Ausnahme sein würde, dass der Prozess der Krankheit dort anhalten würde, wo er war, und dass so etwas wie ein Wunder geschehen würde.
Meine Tochter glaubte absolut daran, dass sie geheilt würde. Ich war sehr irritiert und ich fand es schwierig mit der Situation umzugehen. Wie sollen wir als ihre Eltern auf sie aufpassen? Ich verstand, dass wir unserer Zukunft streng entgegensehen, zusammen mit ihr gehen und sie wie eine stabile Säule unterstützen müssen.
Manche Leute, die an einer Teilbeeinträchtigung leiden, wie z.B. der Verlust eines Arms oder Beins, können ihre anderen gesunden Körperteile benutzen um zu kompensieren. Aber im Fall der spinozerebellären Degeneration verliert der gesamte Körper des Patienten seine bewegende Kraft.
Alle Funktionen der Grobmotorik wie Sitzen und Laufen verlieren sich Stück um Stück. Ebenso die Funktionen der Feinmotorik wie Schreiben und das Benutzen von Essstäbchen.
Der gesamte Prozess erfordert einen langen Kampf gegen das Handicap. Und die Taktik muss je nach Zustand des Patienten geändert werden.
Kontinuierlich von dem Fortschritt ihrer Krankheit bedroht und unter dem Druck von Nervosität und Angst stehend, lehnte es Aya ab, das Unerlässliche zu akzeptieren oder aufzugeben. Sie bemühte sich weiterhin. Aber letzten Endes wurde sie bettlägrig. Heute kann sie kaum mehr sprechen und kann sich nicht einmal ihre Tränen trocknen. Ich frage mich, was sie über sich selbst in ihrem klaren Verstand denkt? Aber es gibt keine Möglichkeit, das jetzt zu verstehen. Ihr wurde selbst die Fähigkeit genommen, ihre Gefühle auszudrücken.
Im sechsten Jahr ihrer Krankheit, als sie unfähig wurde den Alltag selbstständig zu bewältigen, schrieb sie „Wofür lebe ich?“ in ihr Notizbuch. Sie stellte mir die gleiche Frage. Sie hatte so sehr versucht weiterzumachen und hatte so hart gekämpft wie sie nur konnte. Doch das Endresultat war, dass ihr Leben sogar noch weiter von jenes wegrückte, welches sie hatte leben wollen. Sie schien sich selbst vorzuwerfen „Mein Leben ist wertlos“, „Ich habe nichts, wofür ich lebe“ und „Ich bin nur eine Last.“
Sie tat oder sagte niemals etwas, um andere zu kritisieren wie z.B. „Warum bin nur ich es, die so geworden ist?“ oder „Ich wünschte, du hättest mich nie bekommen.“ Das machte es nur noch schwieriger für mich, ihr zu antworten.
Die Haupterlebnisse in ihrem Leben – wie der Ausbruch ihrer Krankheit, ihr Wechsel von der Toyohashi Higashi Highschool zur Aichi Prefecural Okazaki Highschool für Körperbehinderte, ihr Abschluss, als sie unfähig wurde zu laufen und das Finden einer Pflegekraft – waren auf irgendeine Weise immer gehemmt. Das machte Aya depressiv.
Wir tasteten uns gemeinsam in einem pechschwarzen Tunnel vor, als wir versuchten ihren blutigen, verletzten Körper zu heilen. Aber sobald wir etwas gefunden hatten, mussten wir schon wieder ein neues Hindernis entgegensehen. Wir sind so weit gekommen, irgendwie, in der Hoffnung, einen erleuchteten Weg zu finden, wo wir sagen könnten: „Oh, das ist es, wonach wir gesucht haben!“ Aber die Realität der Endstation, die wir nun erreicht haben, stellte sich als zu grausam heraus.
Ich weinte zusammen mit Aya, wenn sie weinte. Ich schloss mich ihrer Traurigkeite an als ich half aufzustehen, wann immer sie hinfiel. Und als sie nicht mehr gehen konnte und über den kalten Fußboden krabbelte, folgte ich ihr in gleicher Art im gleichen Tempo.
Ich konnte die vorbildliche Haltung, vor meinen Kindern nicht zu weinen, nicht wahren. Weil ich Ayas Leid und Schmerz sehr gut verstehen konnte, dachte ich, dass es nur ein natürlicher Weg wäre mich selbst als Mutter zu zeigen. Aber von der Position eines Erwachsenen und Elternteils unterschied ich sie nicht von ihren gesunden Brüdern und Schwestern.
Die Worte betreffend „Es lässt sich nicht ändern, dass sie krank ist“, wies ich sie oft an, dass sie Dinge ordentlich verrichten sollte, außer sie waren für eine behinderte Person wirklich unmöglich. Der Unterschied zu anderen war nur, dass sie wegen ihrer Krankheit eine Extralast auf den Schultern zu tragen hatte. Und ich hatte diese Last zu teilen.
Aya sagte, dass ihr Leben wegen ihrer Krankheit aus den Fugen geraten war. Aber ich kaufte ihr verschiedene Bücher über die Kämpfe von Leuten gegen ihre Krankheiten. Ich ließ sie sie lesen und erzählte ihr, dass dies auch ihr Leben sei. Ich wollte nicht, dass sie engstirnig wurde und dachte, dass sie die einzige unglückliche Person auf der Welt war.
Ich versuchte sie zu ermutigen und sagte „Aya, du hast es so hart wie möglich, mit allem was du hast, versucht – und das überrascht wirklich jeden. Ich denke, du führst ein anständigeres Leben als deine Mutter, die immer sehr ungezwungen ohne körperliche Defekte lebt. Deswegen hast du Freunde, die dich immer noch besuchen und sagen, dass es eine Menge Dinge gibt, die sie von dir lernen können. Das ist wunderbar!“
Ich entschied mich, dass diese Worte ihre Frage „Wofür lebe ich?“ beantworten sollten. Ich begann ihre Notizbücher zu ordnen, die die Art beschrieben, wie sie ihr Leben in einem bitteren Kampf führen musste. In der Hoffnung ein Buch zu produzieren, dass Aya etwas Trost spenden und ihr etwas zum Leben geben würde, konsultierte ich Dr. Hiroko Yamamoto, Assistenzprofessorin der Fujita Gesundheitsuniversität. Sie stimmte freundlicherweise der Kooperation zu.
Aya sagte selbst „Ich habe kein anständiges Leben gelebt, von dem ich anderen erzählen kann. Mir ist es peinlich, weil ich immer weine. Es ein Leben voller Reue, mir selbst immer sagend, dass ich eine Menge Dinge hätte tun sollen.“





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„Kann ich... heiraten?“

Die Untersuchung und Behandlung von Patienten ist nicht die einzige Aufgabe eines Universitätskrankenhauses. Es ist auch dazu da, um mit Medizinstudenten Forschung und Lehre, sie zu lehren wie man ein guter Arzt wird. Nach dem Studium über Krankheiten auf allgemeinem Wege, werden die Studenten in kleine Gruppen von je sechs oder sieben Mann aufgeteilt. Sie unternehmen jede oder jede zweite Woche Exkursionen zu verschiedenen Abteilungen, um Patienten zu untersuchen. Sie lesen relevante Bücher und erhalten eine Wegbegleitung des Arztes, der für die Patienten zuständig ist. Dieses Curriculum nennt sich „porikuri“ (Poliklinik). Zwei Gruppen müssen oft in der Nacht im Krankenhaus bleiben und übernachten manchmal sogar in den speziellen „porikuri“ Räumen: Die Studenten der operationsorientierten Abteilungen, welche Operationen beobachten müssen und jene der Geburtsstation, die auch bei der Geburt von Babys dabei sein müssen.

Mir tun die Patienten leid, die hierbei kooperieren, aber ich frage sie immer, weil ich denke, dass das ein wichtiger Weg ist, gute Ärzte zu fördern. Die Patienten stimmen alle freundlich zu. Wenn sich die Besuche wiederholen, gewöhnen sich die Patienten daran. Sie erhalten sogar bessere Informationen, in dem sie in die Bücher blicken, welche die Studenten mit sich herumtragen und zuhören, was der Arzt jenen erklärt. Die Rollen tauschend, lehren die Patienten sogar mitunter denjenigen Studenten etwas, die in der nächsten Runde dran sind – was kein Spaß ist.
Aya war in derselben Altersgruppe wie die Studenten. Ich war etwas um Ayas Gefühlslage besorgt, aber ich wollte, dass die Studenten ihre Krankheit verstanden. Ich entschied mich dazu, sie um ihre Kooperation zu bitten. Sie nickte mit einem kleinen feuchten Lächeln.
Drei Studenten, zwei junge Männer und eine junge Frau, waren für Aya verantwortlich. Sie untersuchten sie aufmerksam und lernten viel über ihre Krankheit. Obwohl ihre Besuche nach einer Woche abgeschlossen waren, ging einer der Männer Aya manchmal am Abend besuchen, während er in einer anderen Abteilung lernte. Er war mit Gesundheit gesegnet und kam aus der Art Familie, wo es selbstverständlich war, Medizin zu studieren. Ich konnte mir vorstellen, dass er geschockt war, von Ayas Umstände zu erfahren: die Highschool besuchend, um später auf die Universität zu gehen und dann wegen ihrer Krankheit zu einer Behindertenschule wechseln zu müssen. Und er wusste, dass die Krankheit „langsam aber voranschreitend“ war. Ich war erfreut zu hören, dass er nicht nur aus Interesse an der Krankheit Zeit fand, Aya zu besuchen, sondern auch aus Freundlichkeit. Er wies mich darauf hin, dass er ein guter Arzt werden würde.
Eines Tages lief ich den Korridor entlang, nachdem ich gerade meine Visitenrunde auf den Stationen beendet hatte. Aya kam plötzlich in ihrem Rollstuhl aus ihrer Station, als ob sie nur auf mich gewartet hätte. Sie hielt neben einem Feuerlöscher an der trübbeleuchteten Wand und stellte mir eine Frage aus dem Blauen heraus:
„Dr Yamamoto, kann ich... heiraten?“
Ich antwortete automatisch „Nein, Aya-chan, das kannst du nicht.“
Dann dachte ich einen Moment nach. Warum hatte sie diese Frage gestellt? Vielleicht gab es jemanden, den sie mochte... Konnte es dieser Medizinstudent sein, der sie besuchte? Glaubend, dass ich ihr aufmerksam zuhören sollte, hockte ich mich runter und sah in ihr Gesicht, wie sie dort in ihrem Rollstuhl saß. Ich war geschockt, einen überraschten Ausdruck in ihren Augen zu sehen. Sie war von meiner strengen Antwort eindeutig bestürzt.
Aya war in einem Zustand, in dem sie noch mehr mit kleinen alltäglichen Dingen zu kämpfen hatte und sie wusste, dass ihre Krankheit allmählich schlimmer wurde. Ich hatte angenommen, dass sie niemals über Heirat im Allgemeinen nachdenken würde, ganz zu schweige, ob sie heiraten könnte oder nicht.
Jetzt verstand ich jedoch, dass die Realität anders war: Sie ist größer geworden, ihre Brüste hatten sich entwickelt und sie hatte regelmäßig ihre Periode. Es störte sie immer, weil es sie mehr schwanken ließ. Ich hatte Aya von einem jungen Mädchen zu einer Frau heranwachsen sehen. Also warum hatte ich angenommen, dass sie niemals übers Heiraten und über Familiengründung nachdenken würde? Ich fühlte mich selbst beschämt. Ich hatte es dogmatisch entschieden. Selbst wenn wir miteinander schon so lange zu tun hatten, hatte ich sie nicht vollkommen verstanden.
Ich denke, meine Antwort hatte sie eiskalt erwischt.
„Warum kann ich nicht?“, fragte sie, „Ist es, weil meine Kinder die gleiche Krankheit haben würden?“
„Nun, du brauchst jemanden zu heiraten“, antwortete ich so fröhlich wie möglich, „Zu allererst musst du jemanden finden, der deine Kondition vollkommen versteht und einverstanden ist, dich zu heiraten. Kommt dir jemand in den Sinn?“
Es war eine sehr grausame Antwort. Aber ich wollte ihr keine vagen Worte geben, die sie dazu ermutigen könnte, sich an eine Illusion zu halten, welche alsbald zerschmettert würde.
Ich war zu Tränen gerührt, als sie den Kopf schüttelte und sagte „Nein.“
Ich weiß nicht, was zuerst kam – dass ihr Gesicht wegen meinen Tränen verschwamm oder dass sich ihre Augen mit Tränen füllten. Für eine Weile konnte ich mich nicht bewegen.
Für einige Tage nach diesem Vorfall konnte ich immer noch ihre Stimme fragen hören „Dr Yamamoto, kann ich... heiraten?“
Der Student, der sie von Zeit zu Zeit besuchte, ließ es schließlich, zu ihr zu gehen. Ich nehme an, dass er zu beschäftigt war. Vielleicht verschrieb sich Aya zum Teil deswegen der Rehabilitation, als wäre nichts besonderes geschehen. Und sie schien fröhlich auf Station.
Zum Ende ihres Krankenhausaufenthalts hin begann Aya an orthostatischer Hypotension zu leiden. Sie erfuhr Kopfschmerzen und Übelkeit, wann immer sie aufstand. Dann verstarb plötzlich einer der Patienten im selben Zimmer. Das verstärkte Ayas Angst vor dem Sterben. Sie verbrachte einige Tage deprimiert dreinschauend. Noch einmal erklärte ich ihr, was passieren würde, wenn ihre Krankheit fortschritt, aber ich sagte, dass es eine lange Zeit wäre, bis sie den Tod selbst ins Auge blicken müsste. Sie nickte. Nach und nach wurde sie wieder fröhlich.
Jedoch brauchte sie andere Leute, die nach ihr sahen. Sie wurde in ein Krankenhaus verlegt, das es erlaubte, dass eine Pflegekraft bei ihr blieb. Manchmal gehe ich dorthin, um meine speziellen Patienten zu sehen. Später wechselte sie zu einem Krankenhaus näher ihrem Zuhause in Toyohashi.
Obwohl ich ihre Mutter seit mehr als zwei Jahren nicht gesehen habe, hält sie mich über Ayas Kondition auf den Laufenden. Sie konsultiert mich und einen jungen Doktor von meiner Universität, der zu dem Krankenhaus geschickt wurde, wo Aya sich jetzt aufhält. Also habe ich einen guten Überblick, wie sie sich macht. Ich höre, dass sie von jedem geliebt wird, wo immer sie hingeht und dass ihre Pflegekraft mit Wärme und Mitempfinden nach ihr sieht.
Wann immer meine Patienten mit dieser Krankheit anfangen deprimiert zu werden, ermutige ich sie, in dem ich über Aya spreche. In letzter Zeit denke ich, dass tatsächlich ich diejenige bin, die von ihr am meisten ermutigt wurde.

Yamamoto Hiroko
Assistenzprofessor
(jetzt Professor)
Neurologie
Fujita Gesundheits-Universitätskrankenhaus




Anmerkungen:
orthostatischer Hypotension - ein krankhafter Blutdruckabfall beim Aufstehen, wird in unterschiedlichen Schweregraden eingeteilt



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Krankenhausleben im Nagoya Gesundheits-Universitätskrankenhaus

Im April 1980 beendete ich meine Doktorarbeit an der Nagoya Universität. Ich zog um, um einen neuen Posten am Nagoya Gesundheits-Universitätskrankenhaus anzutreten – heute Fujita Gesundheits-Universitätskrankenhaus -, in Toyoake, Aichi Präfektur. Bis dahin war es für Aya vonnöten einen elektrischen Rollstuhl zu benutzen und sie konnte nur per Auto zum Krankenhaus gelangen. Weil Toyoake näher als Nagoya von ihrem Zuhause aus zu erreichen war, wechselte sie mit mir zum selben Krankenhaus, in dem ich einen neuen Job hatte.
Als ich Aya im Behandlungsraum des neuen Krankenhauses untersuchte, verglich ich ihre Verfassung mit jener des Tages, an dem ich sie zum ersten Mal in Nagoya getroffen hatte. Ihre Wangen waren dort viel fülliger gewesen und ich konnte das, was sie sagte, viel besser verstehen. Obwohl sie anmerkte, dass sie taumelte, lief sie in den Augen anderer Leute recht normal. Nach nur fünf Jahren allerdings konnte sie Worte nicht schnell genug aussprechen, so sehr sie es auch versuchte. Sie konnte nur sprechen, in dem sie ihren dünnen Hals drehte und vorstreckte. Diese Art zu sprechen war schwierig für jemanden, der nicht daran gewöhnt war, schwierig zu verstehen. Ich war über ihren Abbau schockiert.
Nachdem sie die Schule für Behinderte verlassen hatte, blieb Aya zu Hause, während die anderen Familienmitglieder auf Arbeit oder in der Schule waren. Sie musste alleine Mittag essen und auf sich aufpassen. Ihre Mutter war über mögliche Unfälle besorgt, während die anderen außer Haus waren; Aya fiel oft im Haus hin, selbst wenn sie sich an etwas festhielt. Folglich trug sie jedes Mal Verletzungen von ihren Fällen, welche Blutergüsse in ihrem Gesicht und an Armen und Beinen hervorriefen, wenn sie in das Ambulanzzentrum kam. Es waren mehr als zuvor und sie wurden ernster.
Sie wurde auf die Station der Inneren Medizin im achten Flur des zweiten Gebäudes des Krankenhauses gebracht, um zum zweiten Mal Behandlung und Rehabilitation zu erfahren. Sie war die erste Patientin mit spinozerebellärer Degeneration auf dieser Station. Es gab noch sieben oder acht andere Patienten dort, auf die ich ein Auge hatte, plus einige andere, alle mit Herz- oder Blutstörungen. Viele der Krankenschwestern waren jung und manche von ihnen waren jünger als Aya. Ich bin in das Verhaltensmuster gefallen, sie 'Aya-chan' zu nennen. Es klingt komisch, wenn Schwestern, die jünger sind als sie, sie ebenso 'Aya-chan' nennen. Aber es zeigte die Zuneigung, die jeder für sie hatte.
Aya benutzte ihren Rollstuhl selbstständig. Sie wusch sich ihr Gesicht mit den beeinträchtigten Händen, ging auf die Toilette und wischte den Tisch für Mahlzeiten. Sie ging ohne Unterlass zur Rehabilitation und las auf einem Stuhl oder in ihrem Bett sitzend Bücher zur Tageszeit. Sie begann sich für Handarbeiten und Origami zu interessieren, was die Patienten auf Station wiederum anderen beibrachten. Aber sie war verärgert, dass sie es nicht so konnte wie sie wollte. Die Oberschwester war gerührt, als sie sie zu diesen Zeiten beobachtete.
Mehr als jeder andere im selben Teil des Krankenhauses, waren es die älteren Patienten, die von Aya angeleitet wurden. Sie waren auf einer Seite gelähmt, weil sie Schlaganfälle erlitten hatten – ihre Blutgefäße waren plötzlich gestört oder zerstört. Sie konnten ihre Hände und Beine nicht so bewegen, wie sie es wünschten. Sie wurden ziemlich wütend und ließen manchmal Rehabilitationsstunden ausfallen. Manche von ihnen hatten fast nicht nur ihren Wunsch zu üben verloren, sondern auch nach dem Leben selbst. Jedoch, als sie die ernsthaften Bemühungen von Aya sahen, welche ihre Enkelin hätte sein können, wurden sie ermutigt, wieder selbst zu trainieren. Sie begannen zu üben, ihre Arme und Beine auf ihrem Bett zu beugen und zu strecken.
Sowohl deren Familien als auch die Schwestern waren zufrieden. Als ihr Arzt kann ich nicht nach mehr verlangen. Ich hatte das Zugutkommen der Rehabilitation immer und immer wieder erklärt, wenn ich meine Visitenrunden machte. Ich habe versucht, verschiedene Dinge zu sagen, um sie zu motivieren. Aber ich verstand, dass das, was ich zu sagen hatte, weniger Effekt zeigte, als der Blick auf Aya, wenn sie sich selbst so gut wie möglich in ihrem Rollstuhl vorantrieb.